Auf ein Neues!!

Willkommen auf der Seite von Oskar Seitz!

Vorwort

Unsere treuen Jenaplan-Freunde[1] wissen, dass diese Seite ursprünglich der Jenaplan-Initiative Bayern zur Verfügung gestellt wurde, sie wird nun vom Betreiber selbst verwaltet und gestaltet.
 Bereits 1999 wurde die Website als Seite der Jenaplan-Initiative Bayern eingerichtet und war die erste – mehrere Jahre hindurch auch die einzige – „Jenaplan-Homepage“ in Deutschland.
Der Name „jenaplan.de“ hat also durchaus Geschichte geschrieben.

Hier nun die neue Webpräsenz von „jenaplan.de“!

Zu diesem Refresh gab es zahlreiche Gespräche, Entwürfe sowie Website- und Serverarbeiten. Unter anderem erhielt die Seite ein vollständig neues Design mit ansprechenden Farben (der grünen jenaplan.de-Farbe wurde Sauerstoff zugeführt!) und einer übersichtlicheren Aufteilung der ursprünglichen Artikel. Dadurch wird nun eine angenehmere und einfachere Betrachtung unserer Seiten ermöglicht. Diejenigen Beiträge, die bisher als PDF-Datei eingebunden waren, wurden auf das neue Layout übertragen. Alle NutzerInnen des Adobe Readers können jeden unserer Artikel als PDF-Datei speichern.

Wichtiger ist jedoch die Grundidee zur Strukturierung der Webseite: Im Wesentlichen handelt es sich um die Dokumentation von Jenaplan-Aktivitäten des Autors in den letzten ca. 25 Jahren – als Ausgangspunkt und Anknüpfungsmöglichkeit für weiterreichende Auseinandersetzungen und Urteile der Interessierten. NutzerInnen der Seite können deshalb sämtliche Einträge über die Jenaplan-Biographie des Autors erreichen, eine Navigation durch die Seite ist dennoch von jedem Punkt aus möglich.

In den erkennbaren Erfolgen, Teilerfolgen und Misserfolgen spiegeln sich Fortschritte und Rückschritte der Jenaplan-„Bewegung“ insbesondere in Bayern, Hoffnungen und Sorgen der Träger – stets gefiltert durch den subjektiven Rückblick des Verfassers. Es geht um wissenschaftliche und nicht-wissenschaftliche Beiträge, um politisch und  nicht politisch intendierte Aktionen, um historische und aktuelle Abhandlungen, um Ordnung und Chaos in Kollektiven, um Bedenkenswertes und Versenkenswertes, auch um allzu Menschliches, um Kabale und Liebe gewissermaßen, immer aber um den Versuch, fundierte und pädagogisch orientierte Schulpolitik zu generieren, diese langfristig zu beeinflussen oder mit zu gestalten.

 

Anzumerken wäre noch, dass die Sammlung der bereit gestellten Dokumente keineswegs lückenlos den Jenaplan-Weg in Bayern nachzeichnet; sie gestaltet sich eher fragmentarisch, manche Dokumente stehen, z.B. aus Gründen des Copyrights, nicht zur Verfügung oder sind wegen besonderer Details nicht publikationsfähig; bei einigen Dokumenten findet man deshalb auch lediglich kurze inhaltliche Ausschnitte. Die Präsentation der Dokumente wurde weder logisch noch ästhetisch durchkomponiert.

 

Heute möchten wir einen ersten Zwischenstand unserer Arbeit präsentieren. Sie hört damit selbstverständlich nicht auf, beginnt lediglich aufs Neue. Bleiben Sie also dran, es lohnt sich, in Zukunft öfter vorbei zu schauen!

[1] Nicht durchgehend wird die weibliche Form von Substantiven mit verwendet. Dies geschieht stets aus formalen Gründen wie Lesbarkeit und ist in keiner Weise als Diskriminierung zu interpretieren.

Old friends erinnern sich und staunen über das neue alte Logo:

JenaPlanIdee(n)

jpilogo weiß

Nachwort

Mit einem verlegenen Räuspern starten wir unsere Jenaplan-Seite erneut.

Die Verlegenheit rührt nicht von der beträchtlichen zeitlichen Distanz zum letzten Update der Seite, sondern von den jüngeren akademischen und politischen Auseinandersetzungen um die Person des Urhebers des Jenaplans, auf deren Arbeiten man sich in erziehungswissenschaftlichen Argumentationszusammenhängen nun nicht mehr bedenkenlos beziehen kann. Vor allem Thorsten Schwan und Benjamin Ortmeyer haben mit wohltuender Unerbittlichkeit braune biographische Flecken präpariert, die nicht zu relativieren, schon gar nicht zu beschönigen, aber schwer zu erklären sind. Schulen haben beschämt und irritiert, letztlich aber mit Überzeugung „Peter Petersen“ aus ihrem Namen entfernt.[1]

Nicht nur die Hinweise auf einzelne Auftritte und Äußerungen, die wir als verwerfliche, aber singuläre Ereignisse beiseitelegen könnten[2], die Wirkung der vorliegenden Ergebnisse ist weitaus gravierender: Anhänger des Jenplans sind gezwungen, Petersen (mal wieder) neu zu lesen und sich um die semantischen Kontexte unverfänglich erscheinender Begriffe nicht herumzumogeln: Gemeinschaft, Stammgruppe, Feier u.v.m.

Nationalsozialistisch eingefärbte bis durchtränkte Texte und Reden Petersens gibt es unbestreitbar. Wenn wir Gesamtwerk und -wirken PePes betrachten, stellen sich jedoch Fragen wie: Gibt es mehrere Identitäten PePes oder eine identische Person, die sich entwickelt und schließlich voll und ganz bekannte, sich instrumentalisieren ließ oder sich selbst instrumentalisierte? Die mögliche biographische Entwicklung PePes erscheint noch weitgehend unaufgeklärt, im Gesamtkontext wirken manche Aussagen verstörend, bisweilen können Erklärungsversuche (Retter, Döpp) sogar beschwichtigend wirken. Dominieren grandiose wissenschaftliche Leistungen, sind einzelne Äußerungen bloße, situativ bedingte Ausreißer? Also: Petersen als gnadenloser Verfechter, übler Opportunist, panikgetriebener Chaot oder armseliger Mitläufer? Oder dies alles und noch mehr im Auf und Ab des geschichtlichen Szenarios.

Sobald Begriffe ins Sprachspiel gebracht werden wie Gemeinschaft, Führung, Pflicht rückt man verdächtigen Ideologien bereits sehr nahe. Haben sie heute in der erziehungswissenschaftlichen Debatte noch ihre Berechtigung, gab es einen entscheidenden Bedeutungswandel?

Kann man Jenaplan ohne Petersen denken und machen? Historisch: nein, aktuell: vielleicht.

Bei meiner ersten Begegnung mit Erwin Klinke Anfang der Neunziger Jahre, einem Jenplan-Urgestein und damaligem Leiter der „Peter-Petersen-Schule in Köln, Am Rosenmaar[3], führte er mich nach ausgiebiger Begleitung über das pädagogisch beeindruckende Schulgelände ins Lehrerzimmer. Schafe RosenmaarDort zeigte er auf ein gerahmtes Bild Petersens (ca. 15 x 20), das kaum wahrnehmbar oben auf einem Aktenschrank stand, und mit einem Augenzwinkern erklärte er, es wäre gut, sich als Schule einen prominenten Namen zu geben, denn es wäre für die politischen Auseinandersetzungen [damals] günstig, eine Leitfigur präsentieren zu können, die Respekt erheischt. Aber – und die Ironie des Seitenblicks verstärkte sich – was wir hier an der Schule in Wirklichkeit machen, hat mit Petersen nicht viel zu tun. (Ein bisschen Koketterie war wohl mit dabei.)

Um auf Jenaplan zu stoßen und mit ihm zu sympathisieren können wir uns beeindrucken lassen von Klima, Engagement und Resultaten der Jenaplan-Schulen, die wir besuchen. Auf dieser Seite werden verschiedene Exkursionen an Jenaplan-Schulen erwähnt, die in den letzten 25 Jahren von mir organisatorisch und inhaltlich geplant als auch pädagogisch begleitet wurden. Keine dieser Exkursionen ist, unabhängig von der jeweiligen Personengruppe (Studierende, Lehrkräfte, SeminarleiterInnen, Schulamts- und RegierungsvertreterInnen) spurenlos an den Teilnehmern vorüber gegangen, man war (kritisch reflektierend) positiv beeindruckt von den vielfältigen Leistungen der besuchten Einrichtungen. Ein Akt der „Übernahme“, um an einen Begriff Petersens zu erinnern. Die Nachhaltigkeit solcher Eindrücke, Erfahrungen und Erkenntnisse führte auch zur Gründung der Jenaplan-Initiative Bayern, die von vielen Mitwirkenden getragen, sich jahrelang theoretisch und praktisch, an Universitäten und in Schulen, mit Jenaplan auseinandersetzte (z.B. Fortbildungen, Symposien, Herausgabe einer Zeitschrift), was letztlich zum erklärten Ziel der Gründung einer Jenaplanschule in Nürnberg führte.

Man kann auch auf Jenaplan stoßen durch Unzufriedenheit mit aktuellen schulischen Gegebenheiten und Entwicklungen, um selbst ein reformerisches Urmodell zu generieren, von dem aus demokratische Schule „neu“, also pädagogisch, gedacht und gemacht werden kann (vgl. Jenaplan 21). Darin werden sich viele Grundgedanken des Jenaplans aufgehoben finden.

Man kann auch neue Prinzipien in die Welt setzen, die mehr oder weniger zufällig auf Jenaplan verweisen (siehe „Basisprinzipien“ auf dieser Seite).


OS


 

[1] Beispiel: „‘Es ist an der Schule bekannt, dass Peter Petersen auch schwierige Formulierungen und Texte nachgewiesen worden sind‘, teilte Ute Pape, Direktorin der Hamburger Peter-Petersen- Schule, dem Hamburger Abendblatt im Juni 2009 mit – die Schule wurde am 7.11.2010 in Irena-Sendler-Schule umbenannt.

[2] Z.B.

  • Bedeutung und Wert des Politisch-Soldatischen für den deutschen Lehrer und unsere Schule, 1934
  • Psychologische Bedeutung der politischen Symbole. 1934
  • Die erziehungswissenschaftlichen Grundlagen des Jenaplans im Lichte des Nationalsozialismus“, 1935
  • Es gibt rassische Hochwertigkeit. Sie verpflichtet! 1941
    [siehe auch „Kurzbiographie Peter Petersens]

 [3] der ersten und beeindruckend arbeitenden Jenaplan-Schule in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg, die nun auch nicht mehr Peter-Petersen-Schule genannt werden darf, sondern sich den Namen „Rosenmaarschule“ gegeben hat.