Forschung zur Elternzufriedenheit

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Elterneinschätzungen von Aspekten der Zufriedenheit im Vergleich KITA „Momo“ – Staatliche Schulen (bzw. Jenaplanschule Nürnberg JPSN) im Bereich Nürnberg-Stadt

In einer von mehreren Erkundungsstudien, die wir hier vorstellen wollen, gingen wir der Frage nach, inwieweit die staatliche Schule Erwartungen der Eltern, die ihr Kind an eine bestimmte Vorschuleinrichtung in Nürnberg gegeben hatten, an diese Schule erfüllt: Vergleich der Zufriedenheit der Eltern mit der Kindertagesstätte im Vergleich zur staatlichen Schule unter verschiedenen Aspekten1. Es ergab sich die Möglichkeit eines Vergleichs mit der Schulzufriedenheit von Eltern, deren ehemalige „Momo-Kinder“ nun aber die Jenaplanschule Nürnberg besuchten. Die Ergebnisse sind jedoch wegen der geringen Stichprobengröße bei diesen Eltern weniger aussagekräftig, wegen der deutlichen und systematischen Tendenz jedoch durchaus zu berücksichtigen.

 

KITA „MOMO“

Durch die besondere Struktur und Entwicklung dieser Kindertagesstätte in der Nürnberger Innenstadt („sozialer Brennpunkt“) wird eine gewisse Nähe zum pädagogischen Konzept der JPSN deutlich. Es ist davon auszugehen, dass Eltern stärker nach reformpädagogischen Alternativen zur staatlichen Schule Ausschau halten, da sie eine Fortsetzung ihrer pädagogischen Bemühungen wünschen.

Steckbrief

82 Betreuungsplätze, Kinder von 1 bis 12 Jahren zwischen 7 und 18 Uhr, 6 Kerngruppen. In jeder Gruppe agiert ein Erzieher als konstante Bezugsperson. Zusätzlich offener Bereich. kleinere Gruppengrößen von 12 bis 15 Kindern, breitere Altersmischung von 2 bis12 Jahren, günstiger Betreuungsschlüssel (eine Fachkraft plus Elterndienst). Besonderes Merkmal: Intensive Elternmitarbeit und –mitbestimmung. Alle Gruppen werden von einer pädagogischen Fachkraft und einem bis zwei Elterndiensten betreut, auch im offenen Bereich. Seit 2005 (Modellversuch zur Einführung des Bayerischen Erziehungs-und Bildungsplans BEP) entwickelt das Team ein neues Raumkonzept: Die Räume werden in Lernwerkstätten umgestaltet, die Gruppen bearbeiten im 14-tägigen Turnus verschiedene Themen (Sprache und Rollenspiel, Mathematik und Technik, Natur und Umwelt, Bewegung, Medien, Heilpädagogik, Musik, u.a.). Die Eltern können in allen Bereichen mitarbeiten. Der Schwerpunkt des Profils liegt im Bereich der sozialen und interkulturellen Erziehung. Persönlichkeitsentwicklung und harmonisches Zusammenleben in der Gruppe werden im Leitbild als wichtigste Erziehungsziele definiert.

1 Dank an Heike Fuchs, eine „Momo-Mutter“ und Studentin für das Lehramt an Hauptschulen in Nürnberg für hartnäckige Durchführung der Untersuchung und engagierte Auswertung der Daten.

Die Jenaplanschule Nürnberg (JPSN)

Die Jenaplanschule Nürnberg besuchten im letzten Schuljahr 119 Schüler, die von einem Pädagogenteam (5 Lehrer, 6 Sozialpädagogen, 2 Erzieher, verschiedene Fachlehrer) betreut werden. Die Unterrichtskernzeit ist Montag bis Freitag von 8.30 Uhr bis 13.00 Uhr. Nach einem Mittagstisch findet am Nachmittag eine Vertiefung des Unterrichts in Förderkursen oder Arbeitsgemeinschaften statt. Die Eltern der Schüler können dabei in Arbeitsgemeinschaften mitwirken. Es gibt 5 Stammgruppen der Jahrgänge 1 bis 4. Betreut werden die Kinder jeweils von einer Lehrkraft und einer pädagogischen Zweitkraft. Das Schulgeld beträgt zwischen 185 € und 240 € im Monat, einkommensabhängige Ermäßigungen sind möglich.

Rahmendaten

45 Befragungsbögen wurden an Eltern von Kindern der Jahrgangsstufen 1, 2 und 3 an Nürnberger Grundschulen (Schuljahr 2007/2008), deren Kind die KITA Momo besucht hatte, verschickt. Insgesamt konnten 27 Fragebögen nach Rücklauf ausgewertet werden. 6 davon stammten von Eltern mit Kindern an der JPS Nürnberg. Der Modus liegt bei Kindern des 2. Jahrgangs (N = 14). Hier werden nur die in vier Antwortalternativen erfassten Angaben zu den standardisierten (nicht den offenen) Fragen berücksichtigt. Wegen des geringen Stichprobenumfangs sollten die getesteten Unterschiede nur für den Vergleich von „Momo“ mit staatlicher Schule interpretiert werden, Ergebnisse zur JPS sind wenig aussagekräftig.

Mit der pädagogischen Betreuung unseres Kindes sind wir

 

JPSN

Staatl. Schule

Momo (staatl.S)

     

S = 0,029*

Sehr zufrieden

50,0

15,0

61,9

Zufrieden

33,3

70,0

33,3

Nicht ganz zufrieden

16,7

5,0

4,8

Gar nicht zufrieden

0

10,0

0

* Signifikanzwerte hier beziehen sich jeweils auf den Vergleich der Eltern-Angaben zur Zufriedenheit „Momo“ vs. „Staatliche Schule“ und sind Ergebnis eines nonparametrischen Testverfahrens (Wilcoxon).

Momo-Eltern scheinen allgemein von der pädagogischen Betreuung ihrer Kinder an der staatlichen Schule eher enttäuscht zu sein.

Mit der allgemeinen Förderung unseres Kindes sind wir

 

JPSN

Staatl. Schule

Momo (staatl.S)

     

S = 0,035

Sehr zufrieden

50,0

9,5

42,9

Zufrieden

33,3

66,7

47,6

Nicht ganz zufrieden

16,7

23,8

9,5

Gar nicht zufrieden

0

0

0

Eingeschränkt auf den Aspekt der „allgemeinen Förderung“ (der im Weiteren spezifiziert wird), ergibt sich gleichfalls eine signifikante relative Enttäuschung der Eltern bezüglich der staatlichen Schulen - verglichen mit der Förderpraxis in der KITA Momo.

Mit der individuellen Förderung unseres Kindes sind wir

 

JPSN

Staatl. Schule

Momo (staatl.S)

 

S = 0,018*

   

Sehr zufrieden

50,0

7,1

29,4

Zufrieden

16,7

50,0

52,9

Nicht ganz zufrieden

33,3

21,4

11,8

Gar nicht zufrieden

0

21,4

5,9

* Signifikanzwerte hier beziehen sich jeweils auf den Vergleich der Einschätzungen von Eltern der Jenaplanschule Nürnberg vs. Eltern der „Staatlichen Schulen“ und sind Ergebnis eines nonparametrischen Testverfahrens (Mann-Whitney). Die Angaben in dieser Spalte sind wegen des geringen Stichprobenumfangs (N < 7) in JPSN nur mit Vorbehalt zu interpretieren.

[Günstigere Einschätzung der individuellen Förderung an der JPS verglichen mit den staatlichen Schulen.]

Mit der Förderung unseres Kindes bei der Arbeit in Kleingruppen sind wir

 

JPSN

Staatl. Schule

Momo (staatl.S)

 

S = 0,049

 

S = 0,054

Sehr zufrieden

66,7

18,8

33,3

Zufrieden

33,3

56,3

61,1

Nicht ganz zufrieden

0

12,5

5,6

Gar nicht zufrieden

0

12,5

0

Günstigere Einschätzung der Förderung in Kleingruppen in der KITA Momo [und an der JPS] verglichen mit den staatlichen Schulen.

Mit der Förderung im kognitiven Bereich sind wir

 

JPSN

Staatl. Schule

Momo (staatl.S)

       

Sehr zufrieden

66,7

33,3

23,8

Zufrieden

16,7

57,1

52,4

Nicht ganz zufrieden

16,7

9,5

23,8

Gar nicht zufrieden

0

0

0

Keinerlei signifikante Unterschiede in Bezug auf die Zufriedenheit der Förderung vor allem bei Lesen, Schreiben, Rechnen.

Mit der Förderung sozialer Kompetenzen unseres Kindes sind wir

 

JPSN

Staatl. Schule

Momo (staatl.S)

 

S = 0,036

 

[s = 0,040]**

Sehr zufrieden

66,7

19,1

57,1

Zufrieden

33,3

52,4

38,1

Nicht ganz zufrieden

0

23,8

4,8

Gar nicht zufrieden

0

4,8

0

Deutlich bessere Förderung sozialer Kompetenzen an der KITA Momo [und an der JPS].

Mit der Förderung unseres Kindes im motorischen Bereich sind wir

 

JPSN

Staatl. Schule

Momo (staatl.S)

     

S = 0,014

Sehr zufrieden

16,7

14,3

42,9

Zufrieden

16,7

57,1

42,9

Nicht ganz zufrieden

66,7

28,6

14,3

Gar nicht zufrieden

0

4,8

0

Besser eingeschätzte Förderung im motorischen Bereich an der KITA Momo verglichen mit den staatlichen Schulen. [Tendenziell schwache Förderung an der JPS in diesem Bereich.]

Mit der Förderung unseres Kindes im musischen Bereich sind wir

 

JPSN

Staatl. Schule

Momo (staatl.S)

       

Sehr zufrieden

16,7

19,0

33,3

Zufrieden

83,3

38,1

28,6

Nicht ganz zufrieden

0

28,6

28,6

Gar nicht zufrieden

0

14,3

9,5

Stärkere Unzufriedenheit in diesem Bereich an der staatlichen Schule und an der KITA Momo.

 

Motivation: Unser Kind besucht

 
   

JPSN

Staatl. Schule

Momo (staatl.S)

       

S = 0,070 [S = 0,048]**

Sehr gerne

 

66,7

42,9

71,4

Gerne

 

33,3

38,1

28,6

Nicht so gerne

 

0

14,3

0

Gar nicht gerne

 

0

4,8

0

Schwächere Motivation zum Besuch der staatlichen Schulen verglichen mit der Motivation des Besuchs der KITA. Dennoch Unmotiviertheit der Kinder an der staatlichen Schule keineswegs auffällig negativ.

 

Die Räumlichkeiten sind

 
 

JPSN

Staatl. Schule

Momo (staatl.S)

 

[s = 0,057]

   

Ansprechend

100

47,6

76,2

Wenig ansprechend

0

52,4

23,8

Räumlichkeiten werden vergleichsweise an den staatlichen Schulen weniger gut bewertet Zu vermuten ist, dass sich an der KITA [und der JPS] mehr Mühe bei der kindgerechten Gestaltung der Räume gegeben wird [Stichwort „Schulwohnstube“]..

Der Einsatz moderner Medien erfolgt

 

JPSN

Staatl. Schule

     

Sehr häufig

33,3

19,1

 

Häufig

16,7

52,4

Manchmal

16,7

23,8

Gar nicht

33,3

4,8

[Keine signifikanten Unterschiede zwischen JPS und staatlicher Schule.]

Ich sehe mein Kind durch die Rückmeldungen der Pädagogen in seinen Leistungen bestärkt

 

JPSN

Staatl. Schule

Momo (staatl.S)

 

[S = 0,108]

 

[S = 0,088]**

Ja, völlig ausreichend

66,7

30,0

45,0

Ausreichend

16,7

40,0

50,0

Eher zu wenig

16,7

30,0

5,0

Nein, gar nicht

0

0

0

Feedbackkultur in Bezug auf die Leistung der Kinder an staatlichen Schulen eher, aber nicht streng signifikant rückständig.

Mein Kind wird zu selbstständigen Entscheidungen... hingeführt

 

JPSN

Staatl. Schule

Momo (staatl.S)

     

S = 0,038

Ja

66,7

40,0

80,0

Eher schon

33,3

50,0

20,0

Eher nicht

0

10,0

0

Gar nicht

0

0

0

Selbstständige Entscheidungen werden in Momo offensichtlich stärker gefördert als an den staatlichen Schulen.

Der Tages- und Wochenablauf in der Schule ist gut durchdacht

 

JPSN

Staatl. Schule

Momo (staatl.S)

     

[S = 0,065]**

Ja

66,7

36,8

68,4

Eher schon

16,7

52,6

26,3

Eher nicht

16,7

10,5

5,3

Gar nicht

0

0

0

Tages- und Wochenrhythmus an staatlichen Schulen etwas ungünstiger.

Es finden Unternehmungen „außer Haus“ (außerhalb der Schule) statt

 

JPSN

Staatl. Schule

Momo (staatl.S)

     

S = 0,002

Ja, oft

16,7

20,0

95,5

Manchmal

83,3

80,0

5,0

Gar nicht

0

0

0

Die staatlichen Schulen sind offensichtlich mit dem Besuch außerschulischer (Lern-)Orte zurückhaltender als die unternehmenslustigeren KITA-Pädagogen. [Dieselbe Auffälligkeitbei der JPS.]

 

Mit der Elternarbeit sind wir

 
   

JPSN

Staatl. Schule

Momo (staatl.S)

       

[s = 0,033]**

Sehr zufrieden

 

33,3

15,8

50,0

Zufrieden

 

33,3

31,6

35,0

Nicht ganz zufrieden

 

33,3

21,1

10,0

Gar nicht zufrieden

 

0

31,6

5,0

Die Elternarbeit an der KITA Momo wird im Vergleich zu den staatlichen Schulen besonders günstig eingeschätzt.

** mit Einbeziehung der „JPSN-Eltern“

Hinzu kommt beim Vergleich „Momo – staatliche Schulen“ eine starke Unzufriedenheit der Eltern mit Kindern an der staatlichen Schule in Bezug auf die „Öffnungszeiten“ (s = 0,037).

Zusammenfassung

Generell kann festgestellt werden, dass tendenziell in ALLEN erfragten Kriterien (Ausnahme: kognitive Förderung!) günstigere Urteile bezüglich KITA (bzw. JPSN) zustande kommen, in dieser Durchgängigkeit durchaus erwähnenswert und bei erweiterter Stichprobe in den meisten Variablen mit hoher Wahrscheinlichkeit gut zu sichern. Ausnahmen an der JPSN stellen die Bereiche „motorische Förderung“ und der „Einsatz moderner Medien“ dar. Gerade im Bereich der motorischen Förderung (Sport, Bewegung, etc.) scheint an der JPS – aus der Sicht der Eltern – Nachholbedarf zu herrschen. Es ist hier noch einmal zu betonen, dass Vergleichsdaten mit der JPSN unter einem geringen Stichprobenumfang dieser Gruppe leiden. Man kann insgesamt jedoch sicherlich von einem erstaunlichen, mehr oder weniger ausgeprägten relativen Mangel in den wichtigsten pädagogischen Belangen bei den staatlichen Schulen ausgehen. Dieser ist besonders deutlich bei einzelnen Förderaspekten.

  • Förderung des einzelnen Kindes
  • Förderung sozialer Kompetenzen,
  • Förderung musischer Kompetenzen,
  • Förderung im motorischen Bereich,
  • bei der Rückmeldung zur Leistung des Kindes und bei -Elternarbeit

Dennoch ist festzuhalten, dass in fast allen Bereichen eine gewisse Zufriedenheit der Eltern („sehr zufrieden“ und „zufrieden“) auch bei der staatlichen Schulen dominiert. Erst im Vergleich stellen sich relative Nachteile dieser Schulen heraus. Zumindest für eine bestimmte Klientel von Eltern („Momo-Eltern“) erscheint die Möglichkeit der Wahl einer Privatschule mit entsprechendem reformpädagogischen Profil günstig. Sie entspricht offensichtlich eher den Kriterien, die diese Eltern an Schulqualität anlegen.

Privatschulen können insofern echte Alternative zum Eintopf der staatlichen Schule zum Einen sein („Angebotspädagogik“), zum Anderen Stachel für die staatliche Schule, sich pädagogisch günstig weiter zu entwickeln.